Die Stadtwerke in Hattingen

Mit der  Gründung der Henrichshütte 1854 und dem Anschluss der Stadt an das Eisenbahnnetz hat der epochale Wandel, die Industrialisierung und Technisierung von Wirtschaft und Gesellschaft auch in Hattingen endgültig eingesetzt.

1861

Gaslaternen in der Emschestraße

1861 gründet die Stadt mit der Hilfe stiller Teilhaber eine „Gasanstalt“. Mit dem aus der Vergasung von Kohle gewonnene Stadtgas wird die erste Straßenbeleuchtung betrieben.

In Werkstätten und Betrieben ermöglicht das Gaslicht die Ausweitung der Arbeitszeiten, bis hin zu durchgängigen Nachtschichten. Nach und nach werden auch die privaten Haushalte an das stetig wachsende Leitungsnetz angeschlossen und ersetzen zur Freude der Bewohner erst Kerzen und Petroleumlampen, viel später dann die Holz- und Kohleöfen.

1875

1875 beginnt die „Aktiengesellschaft Hattinger Wasserwerk“ mit dem Aufbau einer zentralen Wasserversorgung.

Die Trinkwasserversorgung war bis dato noch eine Privatangelegenheit. Das Wasser wurde aus einer Vielzahl von Brunnen im Stadtgebiet entnommen. Zur Qualitätsprüfung gab es nur handfeste sensorische Kriterien. Riecht komisch, schmeckt komisch, ist braun verfärbt oder sonstwie verdächtig. Der Aufbau einer zentralen Wasserversorgung für die ganze Einwohnerschaft hat in der Stadtgeschiche einen ähnlich hohen Stellenwert wie der Befestigungsvertrag (1396) oder die Verleihung der Marktrechte (1435). Es ist eine Meilenstein in der Geschichte der Stadtentwicklung.

1904

Wasserturm erbaut 1904

Baustelle um 1927

Bild links:

Der Wasserturm an der Gartenstraße ist das weithin sichtbare Denkmal dieses Großprojektes.

Bild rechts:

Das Leitungsnetz wurde über Jahrzehnte mühsam verlegt und ist wegen der ständigen Wartung und Erneuerung eine Dauerbaustelle.

1910

Die erste Gasanstalt wird an der Wülfingstraße errichtet. 1910 wird ein neues, leistungsstärkeres Gaswerk gebaut. Das markanteste Bauteil ist der Gasometer.

An der Gasstraße 1 ist noch heute der Firmensitz der Stadtwerke.

Ab 1928 ist Hattingen an ein Ferngasnetz angeschlossen und der Betrieb der Anlage wird in der Folge eingestellt.

1938

1938 erfolgte die Zusammenfassung des Gas- und des Wasserwerkes in der Rechtsform eines Eigenbetriebes der Stadt Hattingen (Ruhr) unter dem Namen „Stadtwerke Hattingen (Ruhr)“.

Es war von Anfang an das Bestreben der Kommunen solche wichtigen Infrastrukturbetriebe unter Kontrolle zu haben. Erreicht werden sollte dadurch ein zuverlässiger Qualität- und Sicherheitsstandard aber auch die Versorgung möglichst der gesamten Bevölkerung zu einem betriebswirtschaftlich und sozial verträglichem „Preis“.

Da bis zum Ende des 20. Jahrhunderts fast ausschließlich Städte eigene Wirtschafts- und Infrastrukturbetriebe unterhielten, hatte sich die Bezeichnung Stadtwerke als Sammelbegriff für alle derartigen kommunalen Unternehmen in Deutschland durchgesetzt.

1987

Die Gründung der Stadtwerke Hattingen GmbH schließlich erfolgte im Jahr 1987.

2018

Das erste Wasserwerk befand sich an dem, früher die „Die Koppel“ genannten Abschnitt des Ruhrtales. Heute lautet die Adresse sinnigerweise „Weg zum Wasserwerk“. Auf dem Gelände des alten Wasserwerk errichten die Stadtwerke Hattingen GmbH ein neues Betriebsgebäude.

Der geplante Neubau der Stadtwerke am Wasserwerk

Strom

Ein kommunales Elektrizitätswerk hat es in Hattingen nie gegeben.  Ab 1911 erbauen die Stadtwerke Wuppertal AG und die Elektrizitätswerke Westfalen ein Steinkohlekraftwerk an der Isenbergstaße. 1912 nimmt dieses „Gemeinschaftswerk“ den Betrieb auf. Mit dem hier produziertem Strom wird jetzt endlich auch Hattingen elektrifiziert.

Eine 7 km lange Seilbahn von der Zeche Alte Haase in Sprockhövel belieferte das Kraftwerk mit Kohle. Nach 1969 wird der Betrieb auf Erdgas umgestellt. 1984 wird das Werk stillgelegt.


Epilog:

Die ehemals lokalen Leitungsnetze wurden so weit ausgebaut, dass sie für Gas und Strom zu nahezu bundesweit flächendeckenden Netzwerken verbunden sind.

Die Wasserversorgung wird in regionalen Verbundsystemen organisiert. Die Versorgung einer Stadt  mit Gas, Wasser und Strom aus „eigener Herstellung“, ist Technikgeschichte.


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