Kunst im öffentlichen Raum

Öffentliche Stadträume sind die für alle Menschen ohne besondere Befugnisse oder wesentliche Beschränkungen  zugänglichen und nutzbare Plätze, Parks, Straßen, Wege  etc. und wesentliches siedlungsgeographisches Merkmal einer „Stadt“. Sie bieten den Raum , in dem das Kollektiv der Bürger sich selbst begegnet, sind quasi sein Lebensraum und zugleich die Bühne des urbanen Lebens.

Auf dem Programm steht von März bis September das Kunstwerk Getreidefeld 2018.

Dieses Projekt kann als -Land Art- beschrieben werden.  Die Wikipedia-Kurzdefinition meint, -Land Art- sei die Umwandlung von geographischem Raum in ein Kunstwerk.

Ein  Getreidefeld an sich ist eher kein Kunstwerk.

Der künstlerische Aspekt dieses Projektes, die Intervention, ist die temporäre Verwandlung dieser besonders langweiligen Grünfläche inmitten der Stadt in eine Naturschönheit.

In der Theorie gibt es den Diskurs, ob denn die Natur- oder die Kunstschönheit höher zu bewerten sei. Ein Sonnenuntergang beispielsweise gilt  als Naturschönheit, das Abbild  eines Sonnenunterganges als Kunstschönheit. Die Naturschönheit steht normalerweise nicht in der Kritik, wohingegen sich  die Kunstschönheit jede beliebige subjektive Wahrnehmung und Deutung gefallen lassen muss. Etwa seit der Rennaissance steht der „schöpferische Akt“ des Menschen zumindest nicht mehr unter dem Generalverdacht der Gotteslästerung.

Ganz lupenrein ist die Natur hier nicht. Das Saatgut ist gezüchtet,die Anlage eines Feldes eine Kulturtechnik. Der geographische Raum, der hier zur Verwandlung ansteht, die Wiese, ist öffentlicher Raum. Im Sinne der oben stehenden Beschreibung konstatiere ich, dass auf dieser Bühne lange nichts Relevantes mehr gespielt worden ist.

Ob ausgerechnet die Anlage eines Getreidefeldes eine adäquate Nutzung ist, lässt sich meiner Meinung nach nur ernsthaft beantworten, wenn man sich grundsätzlich die Frage stellt, wie man sich den öffentlichen Raum wünscht und was man bereit ist dafür zu tun.

Holger Vockert


Zitat:

Urbanität und lebendige Räume gab und gibt es in der  Stadt nicht zum Nulltarif. Urbanität verlangt mehr denn je ein Bekenntnis zur Stadt – von selbstbewussten Kommunen und einer engagierten Bürgerschaft, die sich einer zivilen Stadtgesellschaft verpflichtet fühlt«

[Prof. Franz Pesch/in RaumPlanung 2008/S.32.ff ].


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