Information zur Landwirtschaft in Hattingen

Von Peter Oberdellmann, Landwirt in Holthausen

Wer an die Wirtschaft in Hattingen denkt wird sicherlich nicht unbedingt darauf kommen, dass auch die Landwirtschaft in Hattingen Teil der Wirtschaft ist. Wenn man nur die reinen „nackten“ Zahlen aus der Statistik liest, ist die Bedeutung auf den ersten Blick tatsächlich fast belanglos:

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte / Hattingen

Land- und Forstwirtschaft 36
Produzierendes Gewerbe 2.987
Handel, Gastgewerbe, Verkehr und Lagerei 3.218
Sonstige Dienstleistungen 6.161
Insgesamt 12.402

 

Wer sich aber das Hattinger Stadtbild mal genauer ansieht, der muss zu einem ganz anderen Ergebnis kommen. Hattingen ist von Nord bis Süd von der Land- und Forstwirtschaft geprägt und hat genau aus diesem Grunde einen so hohen Wohn- und Freizeitwert. Die Lage Hattingens zwischen dem dicht bebauten Ruhrgebiet und der Stadt Wuppertal ist ohne Übertreibung ein Paradies, was wir uns immer wieder vor Augen führen sollten. Wo kann man so viel Grün genießen und hat trotzdem alle Vorteile einer Metropole direkt vor sich.

Das Nebeneinander von Land – und Forstwirtschaft in dieser Topographie ist aus Sicht des Normalbürgers einfach nur schön, wenn man ein Auge dafür hat. Keine reine Agrargegend, noch ein großflächiger Wald, hat diesen ästhetischen Wert!

Vergessen wird von den meisten, dass genau diese Landschaft nicht von alleine so ist, wie sie ist. Landwirtschaft ist für die meisten Bürger wie Arbeit im Haushalt: Sie wird erst dann gesehen, wenn sie keiner mehr macht. Denken Sie einfach mal darüber nach.

Zur Landwirtschaft gehören wie zu allen Dingen Menschen, die sie betreiben, auf welche Art und Weise auch immer. Und dazu gehört auch, dass diese Menschen damit ganz oder zum Teil ihren Lebensunterhalt verdienen müssen, so wieder jeder andere das durch seine Arbeit auch tun will. Denken Sie auch darüber einfach mal nach.

Die Betriebe in Hattingen sind sehr unterschiedlich strukturiert, von klein bis groß, Haupt- oder Nebenerwerb, reine Produzenten oder aber Direktvermarkter, die Produkte direkt an den Endverbraucher verkaufen. Jede Betriebsform hat Ihre Berechtigung, da es verschiedene Märkte und ganz unterschiedliches Verbraucherverhalten gibt.

In Hattingen wird Ackerbau und Grünlandwirtschaft betrieben, etwa im Verhältnis 1:3. Auf dem Ackerland werden hauptsächlich Futtergetreide und Silomais angebaut. Das Futtergetreide wird entweder in den Betrieben selbst verfüttert oder über den Handel an Mischfutterwerke abgegeben. Der Silomais von Hattinger Äckern wird entweder in rinderhaltenden Betrieben verfüttert oder für die Stromgewinnung in Biogasanlagen vergoren und somit energetisch genutzt. Raps wird von Hattingen aus an Ölmühlen verkauft, Kartoffeln hingegen werden bei uns ausschließlich in Direktvermarktungsbetrieben angebaut.

Einen hohen Anteil nimmt bei uns das Dauergrünland ein. Vielen Bürgern ist gar nicht unbedingt klar, dass diese Art der Landnutzung überhaupt nur über Tiere möglich ist, da Gras nun einmal für die Humanernährung wertlos ist. Erst wenn aus Gras z.B. Rindfleisch oder Milch geworden ist, hat es für den Menschen einen Wert. Ein ganzer anderer Bereich der Grasverwertung ist die Pferdehaltung. In früheren Zeiten wurden diese Tiere für die Arbeit als Zugtiere gebraucht, heute fast ausschließlich als reines Hobby, in Hattingen ein sehr bedeutender Wirtschaftszweig, bei dem die Landwirtschaft zum Dienstleister für den Reitsport wird.

 


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